Künstler 2010 – VERSschmuggel

Antonella Anedda

Antonella Anedda (*1958, Rom, Italien)  lebt und arbeitet in Rom und Sardinien. Sie hat  in Rom und Venedig Kunstgeschichte studiert und arbeitete nach dem Studium als Lehrerin, Hochschuldozentin (an der Universität Siena) und Journalistin („Il Manifesto“, „Linea d’ombra“, „Nuovi Argomenti“). Sie veröffentlichte Gedichte und Essays, hat unter anderem Ovid und St. John Perse übersetzt. Mit den Zeitschriften „Poesia“ (Crocetti Verlag, Mailand) und „Nuovi argomeni“ (Mondadori, Mailand) arbeitet sie eng zusammen. Antonella Anedda ist eine der interessantesten Stimmen der gegenwärtigen italienischen Lyrik. Ihre Themen sind die der Gegenwart: das menschliche Leiden, der Krieg, das Schicksal unserer Welt. Daher bezieht ihre Poesie die außerordentliche Kraft und Intensität. Gleichzeitig versteht sie es meisterlich, das Tragische, welches in ihren Texten immer wieder anklingt, mit dem Leichten zu verbinden, das Poetische mit dem Philosophischen. Sie selbst sagt von sich, sie schreibe, um zu verschwinden, damit das Leben sich ihr offenbare.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Residenze invernali, Crocetti Verlag,  Mailand 1992 + 2008.
Notti di pace occidentale, Donzelli Verlag, Rom 1999.
Il catalogo della gioia, Donzelli Verlag 2003.
Dal balcone del corpo, Mondadori, Mailand 2007.
Antonella Anedda im ZVAB

Milo De Angelis

Milo De Angelis (*1951, Mailand, Italien) lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Mailand. Er debütierte im Jahr 1976 mit dem Gedichtband „Somiglianze“, der ihn sofort bekannt machte. Seitdem wird er zu den wichtigsten Autoren der neuen italienischen Poesie gezählt. Mittlerweile liegen sechs Gedichtbände von ihm vor.
Milo De Angelis´ Lyrik erzeugt eine unnachahmliche Spannung und Energie, ohne dabei rhetorisch zu sein. Sie ist geprägt von einer tragischen, existenziellen Dimension. Vergänglichkeit und Tod sind die Themen, die er behandelt. Die Kulisse seiner Texte bildet die öde, graue Umgebung von Mailand. Seine Sprache kann eine starke lyrische Bewegung erzeugen, sie ist manchmal finster, immer aber ausdrucksstark. Milo De Angelis´ Poetik wurde deswegen „neuorphisch“ genannt.
Er übersetzte unter anderem Vergil, Properz, Racine, Baudelaire und Blanchot ins Italienische. Ende der 1970er Jahre hat er die Gedichtzeitschrift „Niebo“ herausgegeben, zurzeit leitet er eine Reihe gleichen Namens in der Edition „La Vita Felice“.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Somiglianze, Guanda, Parma 1976.
Millimetri, Einaudi, Turin 1983.
Terra del viso, Mondadori, Mailand 1985.
Distante un padre, Mondadori, Mailand 1989.
Biogafia sommaria, Mondadori, Mailand 1999.
Dove eravamo già stati. Poesie 1970-2001, Donzelli, Rom 2001.
Tema dell'addio, Mondadori, Mailand 2005.
Milo de Angelis im ZVAB

Milo De Angelis - Premio Città di Recanati 2000

Nanni Balestrini

Nanni Balestrini (*1935, Mailand, Italien) lebt in Paris und Rom. Er zählt zu den Mitbegründern der „Neoavanguardia“, einer einflussreichen, avantgardistischen Literaturbewegung im Italien der 50er und 60er Jahre. Die Schriftsteller dieser Gruppe standen mit ihren Sprachexperimenten formal und inhaltlich in der Tradition von T.S. Eliot und Ezra Pound. Balestrini war Redakteur der Zeitschrift „Il Verri“ und Kodirektor von „Alfabeta“. 1962–1972 arbeitete er in Mailand für den Verlag  Feltrinelli. Auch als politischer Aktivist war er immer wieder tätig: Er rief 1968 die Gruppe „Potere operaio“, eine Organisation der außerparlamentarischen Linken, mit ins Leben, unterstützte danach, in den 70er Jahren, die soziale Bewegung „Autonomia“. 1979 flüchtete Balestrini, nachdem er der Mitgliedschaft in einer Guerilla-Gruppe beschuldigt wurde, nach Frankreich, später dann nach Deutschland. Auch in seinem Werk reflektiert er ständig das Spannungsfeld zwischen linker Aufbruchstimmung und staatlicher Repression. Er ist ein polarisierender Klassenstreiter und ästhetischer Neuerer. Jürgen Schneider sagt von ihm: „ein im wahrsten Sinne des Wortes militanter Literat“.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Wir wollen alles, Verlag Assoziation A, Berlin 1971.Die Unsichtbaren, Verlag Assoziation A, Berlin1987.
Die goldene Horde, mit Primo Moroni, Verlag Assoziation A, Berlin 1988.
Der Verleger, Verlag Assoziation A, Berlin 1989.I furiosi. Die Wütenden, ID-Verlag, Berlin1994.
Sandokan. Eine Erzählung der Camorra (Sandokan, storia di camorra), Verlag Assoziation A, Berlin 2004.
Tristano, SuhrkampVerlag, Berlin 2009.
Nanni Balestrini im ZVAB

Video-Fondali per "Elettra" di Nanni Balestrini - 2006

Elisa Biagini

Elisa Biagini (*1970, Florenz, Italien) arbeitet in Florenz als Autorin, Übersetzerin und Lehrerin für Kunstgeschichte und kreatives Schreiben. Schon Ihr Lyrikdebüt „Questi Nodi“ (1993) fand viel Beachtung. Zwei der Nachfolgebände sind bilingual, sie enthalten Gedichte sowohl in italienischer als auch in englischer Sprache. Mittlerweile liegen von ihr sechs Gedichtbände vor, die unter anderem ins Englische, Spanische, Französische und Deutsche übersetzt worden sind. Außerdem veröffentlichte sie in zahlreichen Zeitungen und Anthologien („Poesia“, „Linea d´ombra“,  „Versodove“, „Rattapallax“ und „Atelier“)und gab 2006 selbst eine Sammlung zeitgenössischer amerikanischer Lyrik heraus („Nuovi Poeti Americani“).
Veröffentlichungen (Auswahl):
Questi Nodi, Gazebo, Florenz 1993.
L´ospite, Einaudi, Turin 2004.
Fiato. Parole per Musica, Einaudi, Turin 2006.
Nuovi Poeti Americani, Einaudi, Turin 2006.
Nel Bosco, Einaudi, Turin 2007.
Elisa Biagini im ZVAB

Perché leggere poesia

Bastian Böttcher

Bastian Böttcher (*1974, Bremen) studierte in Weimar an der Bauhaus-Universität Mediengestaltung. Seit dem Jahr 2000 lebt er in Berlin. Er gilt als einer der Begründer der Poetry-Slam-Szene in Deutschland. Bis heute ist er einer ihrer wichtigsten Repräsentanten. Das Verfassen und der öffentliche Vortrag seiner Lyrik gehören für ihn untrennbar zusammen. Seine Texte müssen zu Gehör gebracht werden, damit sie die beabsichtigte Wirkung  voll entfalten können. Aus diesem Grund stehen Klang, Rhythmik und Dynamik im Vordergrund seiner dichterischen Performances. Mit ihnen hat er sich weltweit einen Namen gemacht. Ausgerechnet Harald Schmidt nannte „Bas Böttcher“ Deutschlands Rap-Poeten Nr.1, und die FAZ befand: „Dichten und Coolness passen plötzlich harmonisch zusammen, so dass auf spielerische, lässige Weise tatsächlich Kunst entsteht - weitab von manch angestrengter Dunstproduktion im Literaturbetrieb [...]“ Im Bemühen, Böttcher einer literarischen Tradition zuzuordnen, hat ihn die Kritik in eine Reihe mit Ringelnatz und Jandl gestellt.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Megaherz, Rotbuch Verlag, Hamburg 2004.
Dies ist kein Konzert, Voland & Quist, Dresden 2006.
Neonomade, Voland & Quist, Dresden 2009.
Bastian Böttcher im ZVAB

Bas Böttcher - Dran glauben / Bekommbar

Ann Cotten

Ann Cotten (*1982 Iowa, USA) ist die kühnste  Stimme der jungen deutschsprachigen Lyrik. 1987 kam sie nach Wien, studierte Germanistik und schloss ihr Studium mit einer Arbeit über die Listen in der Konkreten Poesie ab. 2006 zog sie nach Berlin. Als 2007 ihre „Fremdwörterbuchsonette“ bei Suhrkamp erschienen, wurde Ann Cotten als  Wunderkind gefeiert. Mit Monika Rinck und Sabine Scho veranstaltet sie in unregelmäßigen Abständen die Rotten Kinck Schow.
Ihre Poesie charakterisiert sich durch spielerische Sprachexperimente und Klarheit. „Ann Cotten unterzieht den tradierten Formenkanon einer frischen Neu-Schnürung und auch Störung und versucht, Welt und Situationen möglichst ‚quer‘ zu lesen“ (Christian Steinbacher).
2007 erhielt sie den Reinhard-Priessnitz-Preis und im darauffolgenden Jahr den Clemens-Brentano-Preis.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Fremdwörterbuchsonette. Suhrkamp-Verlag 2007.
Nach der Welt. Die Listen der konkreten Poesie und ihre Folgen. Klever 2008.
Florida-Räume. Suhrkamp-Verlag 2010.

ann cotten + woh_-verschwinden (fragment)

Stefano Dal Bianco

Stefano Dal Bianco (*1961, Padua, Italien) lebt in Siena. Er hat drei in Italien vielbeachtete Gedichtbände herausgegeben, die sich durch eine meisterhafte Beherrschung der Form auszeichnen. Er sagt, Rhythmus sei das, was bleibe. Die Inhalte seiner Lyrik sind stark autobiographisch, gleichzeitig sucht er in der individuellen Erfahrung immer auch das Allgemeingültige. Stefano Dal Bianco arbeitet auch als Übersetzer: Viele renommierte Dichter (z.B. Marianne Moore, Michael Hartnett, Wallace. Stevens und Gerald Manley Hopkins) übersetzte er ins Italienische. Von 1986 bis 1989 gab er zusammen mit Mario Benedetti und Fernando Marchiori die Zeitschrift „Scarto minimo“ heraus. Von 1992 bis 1994 war er Redakteur der Zeitschrift „Poesia“ beim Crocetti Verlag in Mailand. 1997 promovierte er über romanische und italienische Philologie an der Universität Padua. Er gilt als einer der wichtigsten italienischen Lyrikexperten. Eines seiner Fachgebiete ist die Metrik, ein anderes die Lyrik des 20. Jahrhunderts, so hat er z.B. die Gedichte von Andrea Zanzotto kommentiert. Seit Dezember 2002 ist er als Literaturwissenschaftler an der Universität von Siena tätig.
Veröffentlichungen (Auswahl):La bella mano, Crocetti Verlag, Mailand 1991.Stanze del gusto cattivo, Guerini Verlag, Mailand 1991.Ritorno a Planaval, Mondadori, Mailand 2001.L’endecasillabo del furioso, Pacini, Pisa 2007.

Marco Giovenale

Marco Giovenale (*1969, Rom, Italien) arbeitet in Rom als Autor und Buchhändler. Das Internet spielt in seinem Werk eine große Rolle. Einen Großteil seiner Texte verbreitet er als Blogger über seine Weblogs „Differx“ und „Xdiffer“. Darüber hinaus ist er Redakteur zahlreicher Zeitschriften und Webinitiativen, darunter z.B. „GAMMM“, „Flux“, „Wee image“, „Hotel Stendhal“, „Sud“, „OR“. Für sein Buch „Il segno meno” wurde er 2003 mit dem Renato-Giorgi-Preis ausgezeichnet.
Für die Zeitung Il Manifesto schreibt er Literaturrezensionen. Im Oktober 2005 hat er das erste RomaPoesia Festival organisiert. Giovenale hat zahlreiche Gedichtbände publiziert, die ins Englische, Französische, Portugiesische, Spanische, Niederländische, Schwedische und Deutsche übersetzt worden sind.
Veröfffentlichungen (Auswahl):
Curvature, Camera verde, Rom 2002.
Il segno meno, Manni, Lecce 2003.Altre ombre, La camera verde, Rom 2004.
Double click, plaquette: Cantarena, 2005.
Superficie della battaglia, La camera verde, Rom 2006.
A rhyme mirror, Battello stampatore, Triest 2007.
Criterio dei vetri, Oèdipus, Salerno 2007.
La casa esposta, Le Lettere, Florenz 2007.
Soluzione della materia, La camera verde, Rom 2009.
Chalk, La camera verde, Rom 2009.

Marco Giovenale. Il Segno Meno

Dieter M. Gräf

Dieter M. Gräf (*1960, Ludwigshafen) lebt seit 2005 in Berlin. Er ist als Verfasser kunstvoller, lyrischer Texte in Erscheinung getreten. Seine vielstimmigen Gedichte sind überall auf der Welt zu Hause. Sie führen den Leser in die Türkei, nach Indien, nach Taipeh, in die kalifornische Wüste oder zum Ground Zero nach New York. Ein illustres Personal bevölkert die Seiten seiner Bücher. Man begegnet so unterschiedlichen historischen Persönlichkeiten wie Malcolm X, Mussolini, dem Archäologen Johann Joachim Winckelmann, dem Verleger Feltrinelli oder auch Pier Paolo Pasolini. Die Frankfurter Rundschau sprach bei der Besprechung einer seiner Gedichtbände von „komplexe[n] Texturen“, von „Hochspannung und verbale[r] Reibungshitze“. Bei dieser Gelegenheit verortete der Rezensent Gräf innerhalb der deutschen Literaturgeschichte als einen legitimen Nachfolger Rolf Dieter Brinkmanns.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Rauschstudie: Vater und Sohn, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1994.
Treibender Kopf, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1997.
Westrand, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2002.
Buch Vier, Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt/Main 2008.
Dieter M. Gräf im ZVAB

Hendrik Jackson

Die Gedichte Hendrik Jacksons (*1971 Düsseldorf) zeichnen die Spuren scheinbar unmerklicher Vorgänge nach. Sie machen sichtbar, was vielleicht nur hinter geschlossenen Augen geschieht, in Traum, Erinnerung und Vorstellung. Neben seiner Arbeit als Lyriker, Essayist und Übersetzer vor allem aus dem Russischen ist Jackson Herausgeber des Internetportals www.lyrikkritik.de. Er ist außerdem Mitveranstalter der Literaturreihe Parlandopark, in der Autoren wie Marte Huke, Monika Rinck, Christian Filips, Steffen Popp auftreten.

Hendrik Jackson wuchs in Münster (Westfalen) auf und studierte Filmwissenschaft, Slawistik und Philosophie in Berlin, wo er als freier Autor und Übersetzer lebt. Er wurde u.a. mit dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis (2005) und dem Förderpreis zum Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2008) ausgezeichnet.

Veröffentlichungen (Auswahl):

Im Innern der zerbrechenden Schale. Poetik und Pastichen (kookbooks 2007)
Dunkelströme. Gedichte (kookbooks 2006)
Im Licht der Prophezeiungen (kookbooks 2012)

Orsolya Kalász

Orsolya Kalász (*1964, Dunaújváros, Ungarn) lebt in Budapest und Berlin. Seit 1984 arbeitet sie als Autorin und Übersetzerin. Sie ist im Ungarischen und Deutschen gleichermaßen zuhause. In ihren eigenen Gedichten spielt sie mit den idiomatischen Interferenzen dieser beiden Sprachen, lotet die Möglichkeiten eines solchen Dialoges aus. Monika Rinck schreibt über sie, ihre Gedichte würden „von Fremdheit und der Fähigkeit, mit dieser Fremdheit zu leben“ zeugen. Insbesondere in ihrer Tätigkeit als Übersetzerin macht sie sich verdient um den Austausch zwischen ungarischer und deutscher Literatur. Mit Gerhard Falkner zusammen hat sie die vielbeachtete Anthologie „Budapester Szenen“ herausgebracht.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Babymonster und die Gärtner. Poetische Bögen: Heft XII,  Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1997.
Budapester Szenen. Junge ungarische Lyrik, DuMont Verlag, Köln 1999.
Alles, was wird, will seinen Strauch, Gutleut Verlag, Frankfurt/Main 2007.
Naive Pflanze, Merz & Solitude, Stuttgart 2008.
Sandfuge: Gedichte, Merz & Solitude, Stuttgart 2009.
Orsolya Kalász im ZVAB

Sepp Mall

Sepp Mall (*1955, Graun, Südtirol) lebt und arbeitet in Meran. Er schreibt seit 1971 Lyrik, Prosa, Hörspiele und Theaterstücke, wurde in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht.
Er ist Gründungsmitglied der Südtiroler Autorenvereinigung (SAV), Mitglied der Grazer Autorenversammlung und der IG Autoren (Wien).
Die Gedichte Sepp Malls wirken zunächst leicht verständlich und in sich schlüssig; aber es gibt Verwerfungen zwischen den Wörtern; die Stimme wird durch Klammern und Verklammerungen immer wieder abgeschwächt; daher lässt sich nur schwer feststellen, wer überhaupt spricht. Im Gehör des Lesers sind plötzlich Sätze eingetroffen, die niemand gesprochen hat. Mall wendet sich an den Leser, indem er in seinen Texten die Grundfragen der menschlichen Existenz überhaupt berührt. Laut der Zürcher Zeitung interessiert sich Mall dabei vor allen Dingen für diejenigen Momente, in denen „ungelöst Privates unversehens öffentlich wird“.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Läufer im Park. Gedichte, Haymon Verlag, Innsbruck 1992.
Verwachsene Wege, Haymon Verlag, Innsbruck 1993.
Brüder, Haymon Verlag, Innsbruck 1996.
Wundränder, Haymon Verlag, Innsbruck 2004.
Wo ist dein Haus, Haymon Verlag, Innsbruck 2007.
Sepp Mall im ZVAB

Bert Papenfuss

Bert Papenfuß-Gorek (*1956, Reuterstadt Stavenhagen) lebt sein 1976 in Berlin. Von 1999 bis 2009 war er dort Mitbetreiber des Künstlerlokals „Kaffee Burger“. Bis heute ist sein Rang als einer der wichtigsten Underground-Poeten des Prenzlauer Berges unbestritten. In der DDR konnte er nur eingeschränkt Texte veröffentlichen. Er war damals einer der ersten Lyriker, der seine Gedichte im Rahmen von Rock- und Punkkonzerten vortrug. Berühmt ist Papenfuß für seinen virtuosen Umgang mit Idiomen unterschiedlichster Herkunft. Bei der Mischung von Argot, Rotwelsch, Slam und Slang - dargeboten wahlweise als Seeräubersong oder als täuschend schlichter Knittelvers - verfolgt er einen grundsätzlich sprachspielerischen Ansatz, subversiv und kraftvoll. Die Neue Zürcher Zeitung spricht im Zusammenhang mit seinem Werk von einer „poetische[n] Dekonstruktion der etablierten Sprachordnung“.
Veröffentlichungen (Auswahl):
tiské, Steidl Verlag, Göttingen 1990 + 1994.nunft, Steidl Verlag, Göttingen 1992.
SBZ – Land und Leute, Druckhaus Galrev, Berlin 1998.hetze, Gerhard Wolf Janus Press, Berlin 1998.
Haarbogensturz. Versuche über Staat und Welt, BasisDruck Verlag, Berlin 2001.
Astrachan. Alexander Krohn und Bert Papenfuß in Plauderton und Lokalismus, BasisDruck Verlag, Berlin 2003.
Ation Aganda: Gedichte 1982/1990, Urs Engeler Verlag, Weil am Rhein und Wien 2008.
alle keine Namen: Gedichte und Texte, Kramer, Berlin 2009.
Bert Papenfuss im ZVAB

Lutz Seiler

Lutz Seiler (*1963, Gera, Thüringen) lebt im Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst bei Berlin. Er leitet dort das Literaturprogramm. Von 1994 bis 1999 war er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „Moosbrand“. Seine Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Spätestens seit Veröffentlichung der Gedichtbände „pech & blende“ und „vierzig kilometer nacht“ zählt er zu den wichtigsten deutschsprachigen Lyrikern. Die Frankfurter Rundschau rühmte seine „seltene Bildfindungskunst“. Harald Hartung spricht von „schönen und wichtigen Gedichten“, die man nicht so bald auslese. Die Süddeutsche Zeitung rückte ihn in die Nähe der großen Schriftsteller Wolfgang Hilbig und Peter Huchel. Mit „Turksib“ und „Die Zeitwaage“ hat Lutz Seiler sich auch als Prosaautor einen Namen gemacht. Im Jahre 2007 wurde er für die Titel gebende Geschichte seines ersten Erzählungsbandes mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.
Veröffentlichungen (Auswahl):
berührt/geführt, Oberbaum Verlag, Chemnitz 1995.
pech & blende, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2000.
vierzig kilometer nacht, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2003.
Turksib.Zwei Erzählungen, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2008.
Die Zeitwaage, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2009.
Lutz Seiler im Zvab

Sara Ventroni

Sara Ventroni (*1974, Rom, Italien) nahm an vielen wichtigen nationalen und internationalen Literaturfestivals teil. 2001 gewann sie den ersten italienischen Poetry Slam. Mit dem Gedichtband, „Nel Gasometro“, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, war sie Finalistin für den „Premio Antonio Delfini“. Ihre Texte sind in vielen Anthologien enthalten (z.B. in: „Europe speaks”, „Slam, antologia europea“,„Almanacco dello specchio”, „Bead on the tongue”, „Unique forms of continuity in space”). 2005 veröffentlicht sie das Theaterstück „Salome (No Reply)“. Sie ist Mitarbeiterin der Zeitung „L’unità“. Die Literaturkritik in ihrer Heimat bezeichnet sie als eigenständigste italienische Künstlerin der letzten Jahre.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Clarissa e altre poesia, Nuovi Materiali, 1998.
Diario di viaggio-Acquatica, Il ponte Vecchio, 2000.
Salome, No Reply, Mailand 2005.
Nel Gasometro, Le Lettere, Florenz 2006.

Lello Voce

Lello Voce (*1957, Neapel, Italien) lebt und arbeitet in Treviso. Er ist Dichter, Performer und Pionier des Spoken Word in Italien. Er ist international bekannt, war Gast auf Literaturfestivals in der ganzen Welt. In seinen Gedichten verbindet er die Einflüsse von Lautpoesie und HipHop. Immer wieder arbeitet er mit Musikern und Videokünstlern zusammen. Lello Voces Gedichte gehen vom Klang der Stimme aus. Gleichzeitig verteidigt er in seinem Werk die Ansicht, dass „der Rhythmus der Stimme und die Tiefe des Atems“ ohne „Gedanken, Kritik und Form“ nicht auskomme. Er bezeichnet seine Kunst als „Post-Sound Poetry“. Seinem Selbstverständnis nach ist er ein politischer Autor, der „kulturelle Traditionen und literarische Experimente“ braucht, „um die Form der aktuellen Sprache zu kritisieren und eine neue zu schaffen“.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Singin` Napoli cantare, Ripostes, Salerno/Rom 1985.
Musa!, Buch und MC, Mancosu Editore, Rom 1992.
I segni i suoni le cose, Buch und CD, Manni Editore, Lecce 1996.
Farfalle da combattimento, Buch und CD, Bompiani Editore, Mailand 1999.
Cucarachas, DeriveApprodi, Rom 2002.
Lai, Edizioni d’if, Neapel 2007.
Il Cristo elettrico, No Reply, Mailand 2007.
L’esercizio della Lingua (Poesie, 1991 -2008), Le Lettere, Florenz 2008.

LaiLento di Lello Voce (video di Verde - Rebotti)