Künstler 2011 – Neue Arabische Welt

Ali Al-Jallawi

Ali Al-Jallawi (*1975 Manama, Bahrain) ist Poet und Schriftsteller. Mit gerade mal siebzehn Jahren wurde er aufgrund eines Gedichts, in dem er das Regime in Bahrain kritisierte, verhaftet. In seinem Band „Al-Medina al-akhira“ (Die letzte Stadt) träumt Al-Jallawi von einer perfekten Stadt, einer Stadt der Dichter, in der jeder frei ist, seine Gedanken auszudrücken. Gewidmet ist das Werk seinem Freund Isa, der, zum Tode verurteilt, zusammen mit Al-Jallawi im Gefängnis saß. Neben sieben Gedichtbänden veröffentlichte Ali Al-Jallawi für ein bahrainisches Forschungszentrum Arbeiten über die Baha’i und die jüdischen Gemeinschaften des Landes. Seit einiger Zeit schreibt er auch Prosa.  
Veröffentlichungen (Auswahl):
- Bahraini Poets: Ali Al Jallawi, Ebrahim Al-Arrayedh, Tarafa, Ali Al Shargawi (2010)
- Tashta’il karazat nahd, Al Intishar Al Arabi (Beirut, 2008)
- Dilmuniyat II (Dar Kan’aan, Syrien 2003)
- Dilmuniyat I (Dar Aalia, Kuwait 2002)
- Al Madina Al Akhira (Beirut 2002)
- Al ‘Isyan, Dar Al Mada (Syrien 2000)
- Wajhan li-mra’atin wahida (Dar Al Kunooz, Beirut 1999)  

Deeb

Deeb (*1984 Kairo, Ägypten) ist ein ägyptischer Hip Hop-Künstler, Dichter und Journalist, der 2005 mit der ägyptischen Hip Hop Gruppe „Asfalt“ seinen ersten Schritt in die Szene gemacht hat. In seinen Texten, geschrieben im umgangssprachlichen Arabisch, behandelt der Künstler soziale, persönliche und kulturelle Angelegenheiten des ägyptischen Alltags. Sich selbst beschreibt er als „soziales Gewissen“ des Landes und thematisiert Korruption, soziale Ungleichheit, die Unterdrückung der Frauen und den alltäglichen Kampf in den Straßen ums Überleben. Er nimmt den Puls der Stadt auf, und so sind auch die Menschen in den Straßen sein Zielpublikum: Vom Taxifahrer über den Zeitungsverkäufer bis hin zum Kioskbesitzer.  

Veröffentlichung:
Cairofornia (EP)

Deeb "Masrah Deeb" prod by Gen K Official Music Video

El Général

Der tunesische Rapper El Général (*1989 Safaqis, Tunesien) rückte Anfang 2011 im Zuge der sogenannten Jasmin-Revolution ins Licht der Öffentlichkeit. Mit seinem Song "Rais Lebled" (auf Deutsch: Chef meines Landes) schenkte er der demonstrierenden Jugend eine Protesthymne. Hamada Ben-Amor, wie El Général bürgerlich heißt, stammt aus der zweitgrößten tunesischen Stadt Safaqis. Dort wuchs er mit drei Geschwistern in einer muslimischen, religiösen Familie auf. 2008 begann er, politischen Rap zu schreiben. Er orientierte sich dabei vor allem an der Hip Hop-Szene in Algerien. Dort reagierten Jugendliche schon Ende der 80er Jahre mit systemkritischen Reimen als das Regime Aufstände mit brutalen Maßnahmen niederschlug.

Ende 2010 veröffentlichte El Général den Song „Rais Lebled“ im Internet. Per Facebook und Twitter verbreiteten sich das Lied und dessen Inhalt in der gesamten arabischen Welt. In vielen arabischen Ländern war die politische Situation zu diesem Zeitpunkt bereits sehr instabil. In Tunesien brachten seine kritischen Worte das Fass zum Überlaufen. Viele Jugendliche beschlossen, auf die Straße zu gehen und für einen politischen Umschwung zu kämpfen. Das tunesische Regime ließ den jungen Rapper daraufhin im Dezember 2010 festnehmen. El Général wurde gezwungen, eine Erklärung zu unterschreiben: Er wurde dazu verpflichtet, nie wieder politische Themen in seinen Raps zu verarbeiten. Doch dann brach die repressive tunesische Regierung zusammen. Für El Général, der längst zum Star avanciert ist, eröffnen sich nun neue Chancen. Das neue Kulturministerium versprach, ihn bei der Arbeit an seinem Album zu unterstützen und seine Hymne läuft heute mehrmals täglich im Radio. 2011 tourt El Général durch Tunesien und wird sein Debütalbum „La Voix Du Peuple“ (deutsch: Die Stimme des Volkes) noch veröffentlichen.

el général, the voice of Tunisia, english subtitles

Hend Hammam

Hend Hammam (*1988 Kairo, Ägypten) ist sowohl im ländlichen Ägypten als auch in der 9-Millionen-Metropole Kairo aufgewachsen. In ihren Werken fokussiert sie auf Reflexionen über die Gegenwart und das alltägliche Leiden der Menschen in Ägypten. Mit ihrem prägnanten Stil und ihrer Fähigkeit, komplexe politische Ideen in klaren, einfachen Worten auszudrücken, wurde sie in der Kairoer Szene als eine der jüngsten poetry Performerinnen bekannt. Hend Hammam, deren Stil von ihrem großen Vorbild, dem bekannten Dichter und Lyriker Salah Jahin inspiriert ist, verfasst ihre Werke in der ägyptischen Umgangssprache. Für sie ist diese Ausdrucksweise sowohl Teil der ägyptischen Kultur als auch ein politischer Akt: Sie möchte ihre Werke einer breiteren Schicht als nur den  Intellektuellen zugänglich machen. Gerade in der Zeit vor der Revolution diesen Jahres, als politische Meinungsäußerungen noch der Zensur unterlagen, benutzte Hend Hammam ihre Poesie, um auf politische, wirtschaftliche, religiöse und gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen.

Hind Shoufani

Hind Shoufani (*1978 Libanon) ist palästinensische Filmemacherin /Poetin/Schriftstellerin und hat bereits  in vielen Metropolen des Nahen Ostens als Schriftstellerin, Produzentin, Film-Regisseurin und Redakteurin gelebt und gearbeitet. Sie ist Gründerin des PoetInnen-Kollektivs „Poeticians“ in Beirut/Dubai, ein Zirkel, in dem sich Dichter und Dichterinnen verschiedenster Herkünfte und Hintergründe regelmäßig treffen und sich gegenseitig ihre Arbeiten präsentieren. Die Werke Shoufanis zeichnen sich durch kraftvolle Wortgewalt aus, sie schreibt von Bitterkeit, von Umbrüchen und Zerwürfnissen, von Liebe, Frauen und Rechten, vom Kampf für Freiheit und vom Nahostkonflikt. Sie schreibt aus einem Gefühl heraus, das sie selbst als Besessenheit beschreibt und das ihr Kraft gibt, die sie umgebende Unterdrückung und den Schmerz in Worte zu fassen, aber auch die Schönheit der Region, die oft in Vergessenheit gerät. Shoufani schreibt auf Englisch.  
Veröffentlichungen:
- Inkstains on the Edge of Light (Whole World Press 2010)
- More Light Than Death Could Bear (xanadu, Beirut/New York 2007)

Abdouldaim Ukwas

Abdouldaim Ukwas (*1975 Tripolis, Libyen) begann schon als Kind mit dem Schreiben von poetischen Texten. 2001 wurde er bei einer Poesielesung entdeckt. Es folgten weitere Publikationen in libyschen Zeitungen und Magazinen sowie Auftritte auf Poesiefestivals und Lesungen, unter anderem in Tunesien, Algerien und Marokko. In den Werken Abduldaim Ukwas`, der vor wenigen Jahren nach England emigrierte, ist die Verbindung mit seinem Heimatland Libyen stets zu finden. Vier Bilder stehen für ihn für die verschiedenen Aspekte der libyschen Kultur: Stadt, Meer, Land und Wüste. Diese Aspekte kombiniert er immer wieder neu und verhandelt dabei die Themen „Freiheit“ und „Unabhängigkeit“. Für Abdouldaim Ukwas ist Poesie ein Instrument, um indirekt Widerstand zu leisten – ein Ventil, sowohl für den Künstler als auch für die Zuhörer.  
Veröffentlichungen (Auswahl):
- Athar tifl fi-l-ramar (Kinderspuren im Sand) (Tripolis 2005)
- Ka’annak li-kul al-wahid (Alles und Alleine) (Benghazi 2010)