Künstler 2016: Balkan Balcony

Lindita Arapi

Lindita Arapi (c) Dittrich Verlag

Lindita Arapi (geb. 1972, Lushnja) wird als eine der herausragenden zeitgenössischen Autorinnen Albaniens eingeschätzt. Seit den 1990er Jahren schreibt sie Gedichte, 2010 legte sie ihren ersten Roman vor („Schlüsselmädchen“). Sie begann zunächst ein Studium in Tirana; 1996 zog sie nach Deutschland und studierte in Köln Germanistik, Anglistik und Pädagogik. Noch im selben Jahr erhielt sie ein Autorenstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung und war Honorary Fellow in Writing an der University of Iowa. Sie lebt in Bonn, arbeitet dort als freie Redakteurin für das Programm der Deutschen Welle und berichtet vor allem über Kultur und Politik der Balkanregion. Sie übersetzt deutsche Autoren ins Albanische, darunter Günter Grass, Felicitas Hoppe und Marion Poschmann. Ihre eigenen Gedichte sind bestimmt von der Frage nach Identität und vom Fremdsein. Die Texte wurden unter anderem ins Deutsche und Italienische übersetzt.
Lindita Arapi setzt sich aktiv für die Aufarbeitung des kommunistischen Regimes in Albanien ein und initiierte 2015 einen Appell an das albanische Parlament, mit dem sie die Öffnung der Akten aus der Phase der kommunistischen Diktatur forderte. Er wurde von mehr als 100 Intellektuellen in ganz Europa unterzeichnet, unter anderem von Marianne Birthler und Durs Grünbein.

Veröffentlichungen (Lyrik):
Shenjat e dorës. 2006
Melodi te heshtjes. 1998
Ndodhi në shpirt. 1995
Kufomë lulesh. 1993

Auf Deutsch:
Am Meer, nachts. Edition Thanhäuser, Ottensheim 2007

Theodoros Chiotis

Theodoros Chiotis (c) Stavros Petropoulos

Der griechische Autor und Literaturwissenschaftler Theodoros Chiotis (geb. 1977, Athen) schreibt Gedichte und Code Poetry auf Griechisch und Englisch. Er studierte klassische und moderne griechische Sprache und Literatur an den Universitäten von London und Oxford. 2015 gab er im Verlag Penned in the Margins die viel beachtete Anthologie „Futures: Poetry of the Greek Crisis“ mit Gedichten griechischer Autoren zur soziokulturellen Krise ihres Landes heraus. Diese Anthologie ist ein Aufruf zu Solidarität, Widerstand und dazu, Poesie als politisches Paradigma zu verstehen. In seinen eigenen Gedichten, die weltweit in Magazinen und Anthologien erschienen, bewegt sich Theodoros Chiotis an den Übergängen vom Persönlichen zum Politischen und vom Konkreten zum Virtuellen.
Er übersetzte Aristophanes ins Englische und zeitgenössische britische wie amerikanische Dichter ins Griechische. Als Literaturwissenschaftler und Promovend an der Universität Oxford beschäftigt er sich mit Themen wie zeitgenössischer Poesie, Autobiografie und digitaler Literatur. Er ist Projektleiter beim Cavafy-Archiv der Onassis Foundation sowie Redakteur des griechischen Literaturmagazins [φρμκ]. Chiotis lebt in Athen.

Veröffentlichungen:
Theory of the Machine. Erscheint 2016

Kapka Kassabova

Kapka Kassabova (c) Marti Friedlander

Kapka Kassabova (geb. 1973, Sofia) ist eine bulgarisch-britische Autorin, die auf Englisch schreibt. In den 1990er Jahren emigrierte sie als Jugendliche mit ihrer Familie nach Neuseeland und veröffentlichte dort ihre erste Gedichtsammlung und einen Roman. 2004 zog sie nach Schottland, wo sie seitdem lebt. Neben weiteren Gedichtbänden gab sie auch Romane und Reiseerzählungen heraus.
Kapka Kassabova ist eine kritische Beobachterin ihrer alten Heimat. Sie überprüft auf Reisen und in ihren Schriften das Spannungsfeld zwischen Kindheitserinnerung und der derzeitigen Realität auf dem Balkan. Emigration, Verlust und die Entdeckung neuer Orte auf der Karte der Erinnerung sind die großen Themen ihres Schreibens. Sie wurzeln tief in ihrer Kindheit im kommunistischen Bulgarien. Heute nimmt sie Europas neue Grenzen in den Blick und spricht sich für Veränderungen in der Balkanregion aus.

Veröffentlichungen (Lyrik):
Geography for the Lost. Bloodaxe Books und Auckland University Press 2007
Someone Else’s Life. Bloodaxe Books und Auckland University Press 2003
All Roads Lead to the Sea. Auckland University Press 1997

Nikola Madzirov

Nikola Madzirov (c) gezett

Der mazedonische Lyriker, Essayist und Übersetzer Nikola Madzirov (geb. 1973, Strumica) ist der Kurator von Balkan Balcony beim poesiefestival berlin 2016. Er zählt zu den bedeutenden Stimmen der jüngeren südosteuropäischen Poesie und hat damit weltweit Gehör gefunden. Schon mit seinem Debüt „Zaklučeni vo gradot“ (Eingeschlossen in der Stadt) gelang ihm 1999 ein fulminanter literarischer Auftritt. Seine Gedichte wurden bereits in mehr als dreißig Sprachen übersetzt und in Monografien und Anthologien in Europa, den USA und Asien veröffentlicht. Für seinen Gedichtband „Versetzter Stein“, der 2011 in deutscher Übersetzung im Hanser Verlag erschien, erhielt er 2007 den Hubert Burda Preis. Madzirov war Gast zahlreicher renommierter Stipendienprogramme weltweit, unter anderem an der Universität von Iowa. 2016 ist er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

Gedichte auf lyrikline:
ПРЕД ДА СЕ РОДИМЕ

Ana Ristović

Ana Ristović

Die Dichterin Ana Ristović (geb. 1972, Belgrad) studierte Serbisch und Vergleichende Literaturwissenschaft in Belgrad, wo sie heute lebt. Wach und unverblümt erhebt sie ohne Respekt vor Althergebrachtem ihre Stimme gegen die „offizielle Geschichtsschreibung“. Spöttisch äußerte sie in der serbischen Zeitung Blic, dass in Serbien nur ein toter Autor ein guter Autor sei. Ihre Gedichte feiern eine urbane Realität gegen alle Konventionen.
Bisher veröffentlichte sie acht Gedichtbände, für die sie zahlreiche Preise erhielt, darunter den Hubert Burda Preis für junge Lyrik im Jahr 2005. Unter den zeitgenössischen serbischen Dichtern gehört Ana Ristović zu den meistübersetzten. Ihre Gedichte erschienen als Buch in Deutschland, der Slowakei, Slowenien und Ungarn sowie in internationalen Anthologien und Zeitschriften. Sie war mehrere Jahre lang als Redakteurin der Kulturzeitschrift Balcanis tätig und ist Mitglied von Schriftstellerverbänden sowohl in Serbien als auch in Slowenien, wo sie einige Jahre gelebt hat.

Veröffentlichungen (Auswahl):
Чистина. Архипелаг 2015
Метеорски отпад. Културни центар Новог Сада 2013
П. С. (изабране песме). Народна библиотека „Стефан Првовенчани“ 2009
Живот на разгледници. Плато 2003
Забава за доконе кћери. Рад 1999
Уже од песка. Градац 1997
Сновидна вода, Књижевна омладина Србије. Пегаз 1994

Auf Deutsch:
So dunkel, so hell. Jung und Jung, Salzburg 2007

Gedichte auf lyrikline:
Očajna razglednica

Damir Šodan

Damir Šodan

Damir Šodan (geb. 1964, Split) schreibt Gedichte und Theaterstücke. Er studierte Englische Literatur und Geschichte an der Universität Zagreb. Nach Ende des Jugoslawienkrieges war er über zwei Jahrzehnte lang als Übersetzer für die Vereinten Nationen in Den Haag tätig. Dort übersetzte er beim Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Seither lebt er in Den Haag und Split.
Šodan zählt zu den interessantesten kroatischen Dichtern der Nachkriegsgeneration. In seinen Texten setzt er sich mit dem Jugoslawienkrieg auseinander und begegnet ihm mit Ironie und Sarkasmus. Seine Gedichte sind reduziert und von klarer Bildsprache. Bisher veröffentlichte er fünf Gedichtbände, zwei Sammlungen mit Dramen sowie die Anthologie „Walk on the Other Side“ (2010), die zeitgenössische „neorealistische“ Poesie aus Kroatien vorstellt. Seine Gedichte erschienen in internationalen Zeitschriften und Anthologien. Sein Theaterstück „Schutzzone“ kam 2002 in deutscher Übersetzung beim Folio Verlag heraus. Als Übersetzer, unter anderem von Charles Simic, Leonard Cohen und Frank O’Hara, überträgt er Lyrik und Prosa ins Kroatische. Zudem ist er Redakteur der Zeitschriften Poezija und Quorum in Zagreb.

Veröffentlichungen (Lyrik):
The Enemy Within. 2016
Café Apollinaire. Biblioteka Tridvajedan Nr. 26, 2013
Pisma divljem Skitu. 2009
Srednji svijet. Naklada MD 2001
Glasovne promjene. Naklada MD 1996

Gedichte auf lyrikline:
http://www.lyrikline.org/de/gedichte/durruti-1936-10127#

Lesung auf YouTube:
http://youtu.be/geUsAEMXseA

Aleš Šteger

Aleš Šteger

Aleš Šteger (geb. 1973, Ptuj), ein weit über die Grenzen Sloweniens hinaus bekannter Autor, schreibt Gedichte, Erzählungen und Romane. Als Dichter machte er sich 1995 einen Namen, als nach dem Zerfall Jugoslawiens sein erster Gedichtband erschien. Das Buch markierte den Aufbruch einer neuen Generation von Autoren in Slowenien und war bereits nach drei Wochen vergriffen. Štegers Gedichte sind minimalistisch und ironisch. Sie verhandeln, oft anhand kleiner Dinge, die großen Themen der europäischen Geschichte. Sein jüngstes Buch ist der Roman „Archiv der toten Seelen“ (Schöffling & Co. 2016). Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie 2012 den Titel Chevalier dans l’ordre des Arts et des Lettres der Republik Frankreich. Seit 2014 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
Aleš Šteger studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik in Ljubljana. Er übersetzt aus dem Deutschen und Spanischen, unter anderem Bachmann, Grünbein, Huchel und Neruda, und schreibt für slowenische sowie internationale Medien, zum Beispiel für Lettre International und die Süddeutsche Zeitung. Für das von ihm mitbegründete internationale Poesiefestival Days of Poetry and Wine in Ptuj arbeitet er als Programmleiter. Im Verlag Beletrina – Academic Press gibt er eine Reihe mit philosophischen und soziologischen Schriften heraus.

Veröffentlichungen (Lyrik, Auswahl):
Nad nebom pod zemljo. Mladinska knjiga 2015
Knjiga teles. Študentska založba 2010 / Buch der Körper. Schöffling, Frankfurt am Main 2012
Knjiga reči. Študentska založba 2005 / Buch der Dinge. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006
Kašmir. Nova revija 1997 / Kaschmir. Edition Korrespondenzen, Wien 2001
Šahovnice ur. Mladinska knjiga 1995


Gedichte auf lyrikline:
http://www.lyrikline.org/de/gedichte/uspavanka-560#