poesiefestival berlin: Poesie und Widerstand

05.04.2016

Sehr geehrte Medienvertreter, liebe Kolleginnen und Kollegen,

das 17. poesiefestival berlin stellt sich der Frage, wie Krieg und Flucht auf Poesie und Sprachgebrauch wirken. Suchend und widerständig zeigen sich Dichterinnen und Dichter aus Syrien, dem Balkan und anderen Teilen der Welt mit ihren Texten auf dem Festival. Zu erleben sind sie bei Poetry and Conflict, auf dem Colloquium: Literaturen der Flucht und bei Balkan Balcony.

Das 17. poesiefestival berlin: Kein schöner Land findet vom 3. bis 11. Juni 2016 in der Akademie der Künste am Hanseatenweg 10 statt.

Poetry and Conflict
Dienstag, 7.6., 17 Uhr: Poesiegespräch, 19 Uhr: Lesung

Poetry and Conflict versammelt Dichterinnen und Dichter aus verschiedenen Kontinenten, die gesellschaftliche Realitäten ändern wollen. Sie nahmen teil an Aufständen, an Kämpfen für Menschenrechte oder waren Zeugen von Kriegen. Diese Erfahrungen sind in ihrer Lyrik deutlich spürbar.

Die US-amerikanische Dichterin und Menschenrechtsaktivistin Carolyn Forché war Zeugin des Bürgerkriegs in El Salvador. Sie beschäftigt sich mit Dichtersprache unter dem Einfluss von Krieg, Besatzung, Folter und Zensur. Brian Turner aus den USA war Soldat in Bosnien-Herzegowina und im Irak. Seine Gedichte und Essays sind geprägt von den Kriegserlebnissen. Ghassan Zaqtan erlebt als palästinensischer Dichter Krieg und Konflikt in seinem Land. Die kurdische, in der Türkei lebende Dichterin Bejan Matur ist Expertin für Kurdenfragen des Democratic Progress Institute in London. Sie kuratiert den Abend.
In Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Colloquium: Literaturen der Flucht
Sonntag, 5.6., 13-16.30 Uhr

Das Colloquium des 17. poesiefestival berlin widmet sich dem Thema „Flucht und Literatur“. Dazu sind Dichterinnen und Dichter, ursprünglich aus Syrien, Palästina und dem Kongo, sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingeladen. Sie diskutieren, wie eine Sprache für Ausnahmezustände wie etwa in Auffanglagern jenseits von kaschierenden Begriffen wie „Hotspot“ und „Transitzone“ gefunden werden kann. Dabei wird zeitgenössische Lyrik aus verschiedenen Ländern vorgetragen und diskutiert, die das Weggehen, Fremdsein und Ankommen verhandelt. Untersucht werden auch Fluchtdarstellungen in Koran, Bibel und antiken Mythen.

Die syrische Dichterin Rasha Omran wurde aufgrund ihres Engagements gegen das Assad-Regime des Landes verwiesen und lebt in Kairo. In ihren Gedichten berichtet sie von vergangenen Verbrechen. Fiston Mwanza Mujila, im Kongo geboren, reagiert mit seinen Texten auf die politischen Unruhen im Gefolge der kongolesischen Unabhängigkeit und ihre Auswirkungen auf den Alltag. Der Dichter und Filmemacher Ghayath Almadhoun wurde in einem palästinensischen Flüchtlingscamp in Damaskus geboren. Seine Gedichte und Poesiefilme thematisieren die Situation von Asylsuchenden und die Ländern, in welche sie fliehen. Die Autoren diskutieren mit Prof. Dr. Eva Geulen, Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin, dem syrischen Islamwissenschaftler Hammoud Hamoud, mit Prof. Dr.  Alfrun Kliems, Slawistin, Dr. Hannah Markus, Germanistin, Prof. Dr. Melanie Möller, Altphilologin, und Dr. Martin Treml, Religionswissenschaftler.
In Kooperation mit dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin.

Balkan Balcony
Mittwoch, 8.6., 17.30 Uhr: Poesiegespräch , 19 Uhr: Lesung

Der Balkan, derzeit Durchgangsstation auf der Flüchtlingsroute, war und ist eine zersplitterte Region. Autoren, ihre Literaturen und Sprachen drifteten auseinander, so wie ihre Länder zuletzt im Jugoslawienkrieg. Mit Balkan Balcony holt das Festival Dichterinnen und Dichter nach Berlin, die den Balkan gemeinsam und jenseits nationalistischer Ideen neu diskutieren – gewissermaßen mit dem Blick von einem Balkon, aus der Distanz.

Lindita Arapi hat die Repressionen der stalinistischen Diktatur in Albanien selbst erfahren. Sie initiierte kürzlich einen Appell an das albanische Parlament, damit endlich die Akten aus der kommunistischen Ära geöffnet werden. Theodorus Chiotis aus Griechenland fordert mit der Anthologie „Futures: Poetry of the Greek Crisis“ (2015) Solidarität, Widerstand und Poesie als politisches Paradigma. Damir Šodan aus Kroatien erlebte den Jugoslawienkrieg und war für den „Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien“ als Übersetzer tätig. Ironisch-sarkastisch geht er mit den Kriegserfahrungen in seiner Dichtung um. Aleš Šteger aus Slowenien hat die Flüchtlingscamps an der Balkanroute gesehen. Zwischen europäischem Vergessen und falschen Erwartungen bewegen sich seine Gedichte. Kapka Kassabova, als Jugendliche emigriert, führt ihre Leser durch namenlose Straßen im kommunistischen Bulgarien ihrer Kindheit. Die serbische Dichterin Ana Ristovic erhebt in ihren Texten die Stimme gegen die „offizielle Geschichtsschreibung“.
„Balkan Balcony“ wird durch die Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt.

17. poesiefestival berlin: Kein schöner Land
3.-11. Juni 2016

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Das poesiefestival berlin ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin/Haus für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Das Programm wird am 2. Mai 2016 veröffentlicht, zeitgleich startet der Kartenvorverkauf. www.literaturwerkstatt.org

Pressefotos zum Download: www.literaturwerkstatt.org/de/presse/pressematerial/


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