Giorgio Agamben auf dem 20. poesiefestival berlin: Forum über Diskursvergiftung und poetischen Widerstand

04.06.2019

Sonntag, 16.6. | 11 Uhr | Akademie der Künste am Hanseatenweg, Studio | 10/7 €
Forum: Hate, Fake, Rage. Über Vertrauensverlust, Diskursvergiftung und poetischen Widerstand

Das Forum Hate, Fake, Rage auf dem 20. poesiefestival berlin verhandelt am 16. Juni Fragen um Fake News, populistische Propaganda, Wut- und Hassbotschaften im öffentlichen Diskurs. Was sind die Ursachen für diese Entwicklungen und wie lässt sich Widerstand dagegen leisten? Als prominentester Redner auf dem Podium wird der italienische Philosoph Giorgio Agamben sprechen. Das Konzept des Forums stammt von dem Philosophen Asmus Trautsch, der die Veranstaltung einleitet und moderiert. Er fasst die Bedeutung des Forums so zusammen: „Mediale Lügen und Manipulation, Hass und Gewalt richten sich nicht nur gegen Menschen, sie tun auch der Sprache selbst Gewalt an. Widerstand gegen die gewollte Zerstörung von Ambivalenz, Differenziertheit, Schönheit, Zartheit und Erkenntnisoffenheit muss daher auch aus dem poetischen Sprechen selbst kommen. Dichtung gehört in die Mitte der Debatte um Wahrheit, Fake News, Bullshit und Propaganda.“

Giorgio Agamben eröffnet das Forum mit einem Vortrag, in dem er über den Dialekt im Verhältnis zur grammatikalisch regulierten Sprache nachdenkt. Letztere eignen sich politische Akteure an –  z.B. durch strategische Fake News und Propaganda. Demgegenüber ist der Dialekt in der italienischen Dichtung der Moderne das Sprechen im Entstehen. Indem die Dichtung, wie Agamben an Zanzotto, Pasolini und Giusti hervorhebt, in einem Bilinguismus zwischen Dialekt und der allgemeinen Sprache wechselt, legt sie sich nicht auf einen Ort der Macht fest, sondern verweist auf eine der Manipulation entzogenen Sprache im Werden: die „kommende Sprache“. 

Im zweiten Teil erkunden der Journalist Patrick Gensing, der Politikberater Johannes Hillje und der Philosoph Philipp Hübl die Hintergründe und Mittel von Fake News, Bullshit und Lügen. Gensing ist Redakteur bei faktenfinder, einem Onlineportal, das aktiv auf die Suche nach Fake News geht und diese richtig stellt. Die Runde wird diskutieren, wie sich von Populisten genutzte Taktiken auf die Orientierung an Wahrheit und verbindlichen Normen auswirken. Zudem werden Gegenmaßnahmen – Möglichkeiten der Aufklärung – zum Thema.

Der dritte Teil wendet sich der Dichtung zu. Dagmara Kraus, Márió Z. Nemes und Nilay Özer beginnen einen poetischen Austausch mit der Moderatorin Tanja Dückers über die Möglichkeit poetischen Widerstands. Sie diskutieren aus der Praxis poetischer Arbeit, u.a. in den stark von öffentlicher Meinungsmache geprägten Ländern wie Ungarn und der Türkei. Zudem zeigen sie durch Lesungen, wie Dichtung selbst Widerstand gegen die Verrohung der Sprache zu leisten vermag.

 

Das Forum im Überblick

11.00 Uhr
Die kommende Sprache. Dialekt, Bilinguismus, Poesie
Vortrag von Giorgio Agamben (Italien) Philosoph
Einführung Asmus Trautsch (Deutschland) Philosoph und Dichter

12.30 Uhr
Fake News, Bullshit, Lüge. Über Mittel der Manipulation und Wege der Aufklärung
Mit Patrick Gensing (Deutschland) Journalist und Leiter des Onlineportals faktenfinder | Johannes Hillje (Deutschland) Politikberater | Philipp Hübl (Deutschland) Philosoph
Moderation: Asmus Trautsch

13.45 Uhr
Dichten im Diskurs und gegen ihn. Sprachvergiftung und poetischer Widerstand
Lesung und Gespräch mit Dagmara Kraus (Deutschland) Dichterin | Márió Z. Nemes (Ungarn) Dichter | Nilay Özer (Türkei) Dichterin
Moderation: Tanja Dückers (Deutschland) Dichterin und Journalistin

Das Forum wird im ersten Teil italienisch-deutsch und danach englisch-deutsch gedolmetscht.

 

Das Forum: Hate, Fake, Rage. Über Vertrauensverlust, Diskursvergiftung und poetischen Widerstand wird freundlich unterstützt durch die Bundeszentrale für politische Bildung, das Italienische Kulturinstitut Berlin, Collegium Hungaricum Berlin und ECHOO Konferenzdolmetschen.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe DediKa2019 (12.–18. Juni 2019). Mit dem Projekt DediKa (aus dem Italienischen dedica, „Widmung“) ehrt das Italienische Kulturinstitut Berlin jedes Jahr eine herausragende Persönlichkeit der Künste und der Wissenschaften im heutigen Italien. Ihr Werk soll in unterschiedlichen Formaten und Ausdrucksformen (Gespräche, Lesungen, Film- und Theateraufführungen, Ausstellungen, Konzerte) in einem möglichst breiten Spektrum präsentiert werden.

Das 20. poesiefestival berlin ist ein Projekt des Hauses für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und des Auswärtigen Amts, mit freundlicher Unterstützung durch Maritim proArte Hotel Berlin. Präsentiert von taz, BÜCHERmagazin, tip Berlin, ASK HELMUT und Deutschlandfunk Kultur.

 

14.–20.6.2019

20. poesiefestival berlin: Endlich Zeit für Sprache

Akademie der Künste

Hanseatenweg 10

10557 Berlin

 

Pressefotos zum Download:
www.haus-fuer-poesie.org/de/presse

 

Für Rückfragen und Informationen:
Haus für Poesie
Silvia Halfter
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 030. 48 52 45 24
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