10.000 Besucher beim 19. poesiefestival berlin

01.06.2018

Trotz heftiger Hitze haben beinahe 10.000 Besucherinnen und Besucher am 19. poesiefestival berlin: Werte Vers Kunst teilgenommen. Acht Tage lang präsentierten 151 Dichterinnen und Dichter sowie Künstlerinnen und Künstler aus 51 Ländern zeitgenössische Lyrik in Lesungen, Performances, Poesiegesprächen, Konzerten, Workshops und Ausstellungen. Unter dem Motto „Werte Vers Kunst“ befragten die internationalen Dichterinnen und Dichter unsere Werte durch die Kunst von Versen und brachten sie als Poesie auf die Bühne.

Das Galerie Programm raus mit der Sprache lockte das Publikum in sieben Berliner Galerien und Sammlungen sowie in die Akademie der Künste am Hanseatenweg. Gezeigt wurden Highlights der konkreten, visuellen und Lautpoesie. Zu entdecken waren Klassiker des Genres, aber auch zeitgenössische Positionen, die das Gespräch mit den Vorläufern der 50er und 60er Jahre suchen. Dabei wurden neue Akzente im Umgang mit Sprache eruiert. Literaturwissenschaftler, Kunsthistoriker und Dichter diskutierten die konkrete Poesie im Kolloquium Arrièregarden. Die konkrete Poesie zur Wiedervorlage.

Der Senator für Kultur und Europa Dr. Klaus Lederer eröffnete das Festival und lobte die Poesie als Bewusstseins-stärkende Kunstform, die gegen Populismen und Simplifizierungen jeglicher Art wirkt. Im Anschluss lasen, sangen und performten neun internationale Stimmen der Poesie in ihren Muttersprachen. Mit Charles Bernstein, Robert Forster, Jorge Kanese, Katalin Ladik, Ketty Nivyabandi, Kerstin Preiwuß, Yoko Tawada und Søren Ulrik Thomsen kamen hochkarätige Dichterinnen und Dichter zu Weltklang – Nacht der Poesie. Für Überraschung sorgte die international gefeierte Claudia Rankine, die das 19. poesiefestival berlin spontan mit ihren sozio-politischen Gedichten bereicherte.

Weiteres Highlight war die Berliner Rede zur Poesie: „Das Gedicht ist, was es tut“. Nicht nur einmal brachte Elke Erb das Publikum zum Lachen. Im Rückgriff auf Tagebuch-Notizen der letzten Jahre gab sie Einblick in ihre tägliche Schreibpraxis, mit Anmut bezauberte sie auf ironisch-poetische Weise. Erfolgreich waren auch die Lesungen in Berliner Bezirken – Poets‘ Corner überzog acht Berliner Stadtteile mit Gedichten. Der erste Weltklimagipfel der Poesie veranschaulichte, wie Dichterinnen und Dichter den menschgemachten Klimawandel in ihre Sprache aufnehmen und wie dringlich wir uns diesem Thema stellen müssen.

Am Sonntag strömten Lyrik-Interessierte in die Akademie der Künste zum Lyrikmarkt, der neben Lesungen im Buchengarten, Bücher von Lyrik verlegenden Verlagen offerierte. Diskutiert wurde ebenfalls das Verlegen selbst und die Chancen online-gestützter Lyrikkritik. Darüber hinaus haben Kinder, Jugendliche und Familien sich spielerisch der Sprache in diversen Formaten angenähert. Die Poetische Bildung des Hauses für Poesie wird seit Anfang des Jahres verstärkt ausgebaut. Workshops für Jung und Alt stehen in den nächsten Monaten auf dem Programm. 

drei D poesie
, ein Möglichkeitsraum von Tanz, Musik und Poesie, bestritt ihr großes Finale. Die zwölfte und dreizehnte Performance der im letzten Jahr ins Leben gerufenen Reihe brachten dem Publikum das Zusammenspiel von Bewegung, Sound und Sprache näher.

Bei Dichter und ihre Bands sorgte Søren Ulrik Thomsen und das sechsköpfige Orchester Det Glemte Kvarter aus Kopenhagen für ausgelassene Stimmung, mit standing ovations feierte das Publikum die dänischen Künstler. Auch Michael Lentz ließ sich einen imposanten Auftritt nicht entgehen. Gemeinsam mit dem Gitarristen Gunnar Geisse und dem Schlagzeuger Michael Wertmüller brachte er die Bühne zum Beben.

Bei Studio Europa lasen vier junge, in ihren Ländern gefeierte Lyrikerinnen. Ausverkauftes Haus hieß es bei Elegie und Aufbruch. Die chinesische Dichterin Zheng Xiaoqiong berichtete von ihren Erfahrungen als Wanderarbeiterin. Großes Interesse weckte der Künstler Ai Weiwei und der Autor Yang Lian. Zum ersten Mal trat Ai Weiwei bei einem Poesiefestival auf.

Die poetischen Ergebnisse der diesjährigen Übersetzungswerkstatt VERSschmuggel Překladiště: Tschechisch – Deutsch wurden in einer zweisprachigen Lesung vorgestellt.
Am letzten Festivaltag schuf Sinngewinn durch Unfug ein Plädoyer für die Sprachkunst, bevor der Shooting-Star der Literatur Fiston Mwanza Mujila einen dialogischen Jazz-Abend kuratierte, bei dem Texte, Instrumente und Gesang in einen vielsprachigen Austausch gingen, auf die Bühne brachte. Robert Forster, der charmante Frontman der legendären Band The Go-Betweens, rundete das diesjährige Programm in einem Gesprächskonzert mit der Musikjournalistin Christine Heise ab. 


Das 19. poesiefestival berlin fand vom 24. bis 31.5.2018 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin, und in Berliner Galerien, Sammlungen und Verlagen sowie in diversen Kulturinstitutionen statt.

Die Ausstellung: Schreiben ist Zeigen. Textbilder und Objekte aus der Edition Block läuft noch bis zum 14.7. in der Galerie Edition Block. In der Galerie Oqbo kann die Ausstellung: Types of Typewriting. Schreibmaschinentexte seit den 1960er Jahren noch bis zum 23.6. besucht werden.

 

Für Rückfragen und Informationen:
Haus für Poesie
Mira Lina Simon / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 030. 48 52 45 24
E-Mail: presse@haus-fuer-poesie.org

 

Das 19. poesiefestival berlin ist ein Projekt des Hauses für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds mit freundlicher Unterstützung durch Maritim proArte Hotel Berlin. Präsentiert von kulturradio vom rbb, tip Berlin, taz, BÜCHERmagazin und Deutschlandfunk Kultur.