Gespräch des Monats  2018

01.09.2018

Poesiegespräch: Ketty Nivyabandi „Auf den Gehsteigen hungernder Boulevards“

Das Werk von Ketty Nivyabandi (geb. 1978 in Uccle, Belgien) stellt einen der seltenen Fälle dar, in denen politisches Engagement auf poetische Vielschichtigkeit trifft. Nivyabandis Gedichte spiegeln die Geschichte ihres Landes, Burundi, aus dem sie 2015 fliehen musste, an ihrer eigenen Biografie. Durch die Kraft ihrer Bilder, ihres Flows verwandelt sie beides in eine Form von lyrischem Widerstand. Ihre Gedichte sind Gesänge einer „geschredderten Nation“ aus „Zerbrochen-aber-ganzen-Menschen“, die nicht aufhören, auf dem Wort „Freiheit“ herumzukauen – trotz Krieg, Hunger und Verfolgung.

Ketty Nivyabandi im Gespräch mit dem Autoren Adams Sinarinzi.

Ketty Nivyabandi (c) Chris Schwagga
Ketty Nivyabandi (c) Chris Schwagga
01.08.2018

Poesiegespräch: Charles Bernstein "In Lied getunktes Licht, wiegende Vielfalt"

Charles Bernstein (geb. 1950 in New York) ist Ikone und Spiritus Rector der modernen amerikanischen Gegenwartslyrik. Sein dichterisches Werk schöpft aus den unterschiedlichsten Quellen: Frühromantik, historische Avantgarden, Wittgenstein´sche Sprachphilosophie, französischer Neostrukturalismus etc. Das von ihm herausgegebene L=A=N=G=U=A=G=E-Magazin gilt bis heute als einer der vitalsten Diskursspender für Avantgardisten und solche, die es werden wollen. Mit Angriff der Schwierigen Gedichte (LUXBOOKS, 2014) liegt eine Auswahl aus Bernsteins Werk auf Deutsch vor. Charles Bernstein im Gespräch mit dem Autoren und Übersetzer Norbert Lange.

Charles Bernstein (c) Emma Bee Bernstein
Charles Bernstein (c) Emma Bee Bernstein
01.07.2018

Poesiedebatte: Die Stunde der Anthologisten

Lyrikanthologien haben Konjunktur. Alles eignet sich für eine poetische Ährenlese. Es gibt die berühmten kanonbildenden Anthologien der Vergangenheit: Borchardts Ewiger Vorrat deutscher Poesie, Enzensbergers Museum der modernen Poesie, Sartorius’ Atlas der modernen Poesie und Anthologien, die den Versuch eines Gegenkanons unternehmen. Hinzu kommen jene, die versprechen, dem interessierten Lyrikleser einen verlässlichen Gesamtüberblick über das zu verschaffen, was innerhalb der deutschsprachigen Dichtung von bleibendem Wert ist: der Echtermeyer, der Ewige Brunnen, der Conrady usw. Je näher man in der Auswahl der Gegenwart kommt, desto größer ist die Gefahr, dass das Urteil durch die Trägheitskraft des Zeitgeists beeinflusst wird. Es stellt sich die Frage nach den Auswahlkriterien und nach der Autorität des jeweiligen Anthologisten. Wer ist es, der sich anmaßt, zu entscheiden, was gültig ist und bleibt? Über diese und andere Fragen der literarischen Geschmacksbildung diskutieren Christoph Buchwald, Herausgeber des Jahrbuchs der Lyrik (Schöffling & Co.), Steffen Popp, Herausgeber der Anthologie Spitzen – Die besten deutschsprachigen Gedichte nach 2000 (Suhrkamp Verlag 2018), und Elisabeth Katharina Paefgen, Mitherausgeberin des Echtermeyers (Cornelsen Verlag).

Steffen Popp (c) Renate von Mangoldt
Steffen Popp (c) Renate von Mangoldt
01.06.2018

Neue Überseezungen. Yoko Tawada

Überseezungen sammeln sich auf dem Balkonplatz für flüchtige Abende, um Abenteuer der deutschen Grammatik akzentfrei zu er­leben. Die Titel von Yoko Tawadas Büchern führen ein Eigenleben. Sie er­zählen eine Autorinnenbiografie zwischen den Sprachen. „Jede Sprache bildet einen Zwischenraum. Und der Raum zwischen zwei Sprachen ist kein Zwischenraum, sondern der eigentliche Raum, in dem die Literatur geschrieben wird,“ sagte sie 2016, als sie mit dem Kleist-­Preis ausgezeich­net wurde. An diesem Abend liest Yoko Tawada neu buchsta­bierte, unveröffentlichte Gedichte. Die Sho−­Spielerin Naomi Sato begleitet Tawada bei der Lesung. Die Sho ist eine japanische Mundorgel, deren Spiel eine lange höfische Tradition hat. Naomi Sato spielt Kompositionen von John Cage und Toshio Hosokawa. Eingebettet ist ein Gespräch mit Ulrike Vedder zu Tawadas Schaffen.

Yoko Tawada (c) Florian Thoss
Yoko Tawada (c) Florian Thoss
01.05.2018

Buchpremiere Michael Krüger: Einmal Einfach

„Ich beginne ein neues Notizbuch / für Fragen, die keine Antwort brau­chen. / Wie lange hält sich der Schnee / auf den Zweigen des Vogelbeer­strauchs?“ In dem neuen Gedichtband von Michael Krüger heißt Einmal einfach Hinreise ohne Rückfahrkarte. Nicht zurück in Verhältnisse der Entsinnlichung, des Bescheidwissens und der Hetze im Netz. Die Reise geht wieder und noch einmal in die Natur – als wären ausgerechnet Bäume, Wiesen und der weite Himmel das, was man von der Welt im Gedächtnis behalten will. Es ist eine Reise mit offenen Augen: nicht verklärend, nicht mehr naiv und dennoch nicht ohne Rührung. Ohne große Worte, einmal einfach ohne Ziel.
Der Literaturkritiker Michael Opitz spricht mit Michael Krüger über das Schreiben von und Leben mit Gedichten.

Michael Krüger (c) gezett
Michael Krüger (c) gezett
01.04.2018

Richard Pietraß

Richard Pietraß schreibt Gedichte mal im hohen Ton, mal lakonisch wie durch die Blume eines Stehbiers gesprochen. Es sind Texte über das in die Binsen gekommene Leben, über „Muttermilch und Vatererbe“. Pietraß selbst nennt sie Hirnhöhlenschwangerschaften und Verlegenheitsgedichte. Sein Blick wechselt mühelos vom Mikroskopischen ins Kosmische: von den Schattenalgen, die Kolonien gründen, zu den Kosmonauten im Mondstaub, vom Fliegenei, das im Augenwinkel reift, zum Urknall und von den Lichtmessen seines Erdengels bis hin zur entriegelten Ewigkeit. An diesem Abend wurde das lyrische Schaffen von Richard Pietraß am Beispiel von sieben Gedichten langschrittig durchmessen. Sebastian Kleinschmidt wählte die Gedichte aus und befragte den Dichter zu seinem Werk.

Richard Pietraß (c) gezett
Richard Pietraß (c) gezett
01.03.2018

Elfenbein Verlag. Luíz Vaz de Camões und Pierre de Ronsard

Der 1996 gegründete Elfenbein Verlag präsentiert in editiorischen Meister­leistungen zwei im selben Jahr geborene Dichter der Renaissance, die jeweils die Literatur ihres Landes erneuert haben: den Portugiesen Luís Vaz de Camões und den Franzosen Pierre de Ronsard. Der Journalist Tobias Schwartz dikutiert mit dem Verleger Ingo Držečnik, der Herausgeberin Carolin Fischer, dem Herausgeber Rafael Arnold und dem Ronsard­-Übersetzer Georg Holzer die heutige Bedeu­tung der beiden Dichter.

Camões (c) Granger
Camões (c) Granger
01.02.2018

Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs

Von der Liebe zu singen ist eine urlyrische Angelegenheit. Die Dichter Jan Wagner und Tristan Marquardt haben 68 ihrer Kolleginnen und Kollegen gebeten, die mittelhochdeutsche „Nachtigall zu triezen“ und kanonische Texte des Minnesangs zu übersetzen; darunter Walther von der Vogelweide, Heinrich von Morungen und Oswald von Wolkenstein. Das Ergebnis ist ein Dialog in Buchform zwischen alten und neuen Meistern, der die unter­ schiedlichsten Übersetzungsansätze und Tonfälle präsentiert. Tristan Marquardt sprach mit Ulrike Draesner, Odile Kennel, Kathrin Schmidt und Steffen Popp über das Minneparadox und das Paradox des Übersetzens.

Draesner (c) gezett
Draesner (c) gezett
01.01.2018

open mike Auftakt: Debütlesungen

Bevor beim 25. open mike 20 junge Autorinnen und Autoren um die Wette lesen, präsentieren drei open mike-Finalistinnen der letzten Jahre ihre frisch erschienenen literarischen Debüts. Doris Anselm gewann 2014 den open mike, 2017 veröffentlichte sie ihren hochgelobten ersten Erzählband und in dem Moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus. Alina Herbing war 2012 Finalistin beim open mike. Ihr Debütroman Niemand ist bei den Kälbern erschien 2017 im Arche Verlag und wurde NDR-Buch des Monats. Andra Schwarz gewann gewann 2015 den Lyrikpreis des open mike. Ihr Lyrikdebüt Am morgen sind wir aus glas erschien im Herbst 2017.

open mike Auftakt: Debütlesungen